Jubilieren in Neu und Alt
Weihnachtskonzert des Berner Bach-Chors mit Werken von Arthur Honegger und Wolfgang Amadeus Mozart
Der Berner Bach-Chor profitiert von seiner vielseitigen Erfahrung mit neuer und alter Musik und überzeugt im Berner Kulturcasino mit ausgereifter Interpretation.
Arthur Honeggers Gesundheitszustand war prekär, als er vor gut fünfzig Jahren den Auftrag zur «Cantate de noël» erhielt. Die tödliche Krankheit im Nacken schuf er sein letztes Hauptwerk, das voller Zuversicht aus der Hoffnungslosigkeit des Menschen führt. Jubelgesänge und Kinderstimmen feiern das Weihnachtswunder, die Geburt eines neuen Christentums. Indem Honegger Weihnachtslieder in verschiedenen Sprachen zitiert, führt er die Völker zusammen und verwebt ihre Bräuche miteinander.
An diese christlichen Botschaften knüpft die Interpretation des Berner Bach-Chors im Casino an. Die Aufführenden unter der Leitung von Theo Loosli kommen bestens zurecht mit dem inhaltlich wie musikalisch anspruchsvollen Werk. In der apokalyptischen Einleitung verschmelzen die Chorstimmen mit den Orchesterlinien der Sinfonietta Bern. Doch in den kontrapunktischen Passagen setzt Theo Loosli bewusst Akzente. Deshalb tritt die Reinheit der Passagen des Kinderchors Bern schön hervor. Die Anfänge der Weihnachtslieder sind sorgfältig aus dem Übereinander der Stimmlinien herausgearbeitet. Für Wärme in den Herzen sorgt das Baritonsolo von Roger Bucher, der so gar nicht auftrumpfend ein sanftes Timbre einsetzt und doch der Dramatik des Verkündigungsmomentes entspricht. Loosli lässt das Werk auf den schliessenden chorischen Jubel hinlaufen, der mit Pathos in C-Dur das Ereignis feiert.
Festliche Energie
In Mozarts Krönungsmesse ist die Lobpreisung des Herrn durchgängig präsent. Für die originell komponierten Kyrie-Rufe zu Beginn zeigt sich der Bach-Chor zurückhaltend, erhebt sich aber spätestens im Credo mit festlicher Energie, viel Ausdruckskraft und mit einer bewussten Gestaltung musikalischer Bögen. Erst der reflektierte Umgang mit dem Stimmengeflecht streicht die Raffinesse dieses Mozartwerkes hervor. Dieser macht sich auch in den wenigen solistischen Stellen bemerkbar. Da wachsen die erstklassigen Stimmen von Brigitte Fournier, Leila Pfister, Jan-Martin Mächler und Roger Bucher zu einer ausgeglichenen Einheit zusammen.
Die populäre Solomotette «Exsultate, jubilate» von Wolfgang Amadeus Mozart ist als Bravourstück für eine Sopranstimme angelegt. Brigitte Fournier zeigt eine sehr persönliche Interpretation. Sie beginnt schlicht und bescheiden, legt die virtuosen Koloraturen mit verblüffender Leichtigkeit hin. Bis zum Schluss behält sie sich eine Natürlichkeit, die ihre klare Stimme herausstreicht und Raum lässt für eine differenzierte musikalische Gestaltung.
Zu einem Ganzen verschmelzen alle Stimmen dank einem gemeinsamen Ansatz, der Wert legt auf eine ausgereifte Behandlung musikalischer Elemente. Er führt zu einem einheitlichen Klang und setzt gleichzeitig eine Klammer um das Chorprogramm.
27.12.2006 - Der Bund, mzb
Eine echte Novität [nach oben]
Gastspiel eines Spitzenorchesters: Die Dresdener Philhamonie
Obwohl St. Gallen dank Klubhauskonzerten manche...
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14.12.2006 - St. Galler Nachrichten, Margrit Zaczkowska
An der langen Leine [nach oben]
Die Dresdner Philharmonie spielte im Musiksaal
Die Stiftung Austausch Zürich-Dresden und der Berner Bach-Chor luden die Dresdner Philharmonie zu einer Tournee in die Schweiz. Sie wurde am Sonntag im Basler Musiksaal beschlossen.
Die Klassik-Freunde der Region Basel können sich derzeit nicht über einen Mangel an Konzerten auswärtiger Gastorchester beklagen. Vor kurzem spielte auf Einladung der AMG das Londoner Philharmonia Orchestra unter Charles Dutoit, morgen wird es das Dänische National-Sinfonieorchester unter Thomas Dausgaard im «Klubhaus» tun, und am Sonntag war die Dresdner Philharmonie auf Einladung einer privaten Stiftung und des Berner Bach-Chors im Basler Musiksaal zu Gast. Angeblich war es das erste Schweizer Gastspiel dieses Konzertorchesters, das gemeinsam mit der Sächsischen Staatskapelle den Ruf Dresdens als Musikstadt in alle Welt trägt.
EMOTIONAL. Der Berner Bach-Chor war «Hauptdarsteller» im ersten Konzert-Akt, den «Quattro Pezzi Sacri» von Giuseppe Verdi, deren zwei a cappella zu singen sind, während die zwei restlichen, am wirkungsvollsten das abschliessende «Te Deum», nach dem Orchester als begleitendem und die Emotionen verstärkenden Klangkörper verlangen. Der Berner Chor zeigte von Anfang an eine beachtliche Prägnanz in der Artikulation; trotz seiner Stärke von gegen 120 Stimmen klang er nie schwammig. Eindringlich wirkten auch die gesprochenen Passagen im «Stabat Mater». Nicht über alle Zweifel erhaben war indes die Intonation der hohen Frauenstimmen, die häufig um ein schmerzendes Quäntchen zu tief sangen.
Der zweite Teil gehörte ganz dem Orchester und seinem Dirigenten Vladimir Fedoseyev und der vierten Sinfonie in f-Moll von Peter Tschaikowsky, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriss. Zum einen, weil Wiederhören einfach Freude macht und Tschaikowskys Vierte gehört zu den Schlachtrössern des Repertoires. Zum andern aber auch, weil die Wiedergabe durch das Dresdner Orchester und seinen Gastdirigenten in jedem Takt authentisch war.
entspannt. Auch wenn Fedoseyev das traditionelle Tschaikowsky-Bild nicht grundlegend erneuerte, konnte man sich der Faszination seiner aus dem Langsamen und Leisen heraus gestalteten Steigerungen nicht entziehen, entgingen einem nicht die beseelten Streichertremoli, die sanglichen Holzbläsersoli und die kräftigen, aber nie lärmenden Blechbläser. Vielleicht das schönste Geschenk offerierten die Dresdner mit dem langsamen Satz, in welchem der Dirigent das Orchester an langer Leine hielt, so dass es wunderbar entspannt klang.
21.11.2006 - Basler Zeitung, Sigfried Schibli
Magier und Praktiker [nach oben]
Tonhalle: Vladimir Fedoseyev dirigiert die Dresdner Philharmonie und den Berner Bach-Chor
Die Dresdner Philharmonie ist das erste Mal in der Schweiz. Zu goutieren war ein warmer, ausgeglichener Gesamtklang, dem Maestro Fedoseyev unentwegt etwas luftig Federndes hinzufügte.
Die Dresdner müssen sich bei Tschaikowsky nicht hinter den grossen russischen Orchestern verstecken. Nicht bezüglich Disziplin und Engagement, nicht bezüglich Klang und Transparenz. Und Vladimir Fedoseyev macht dieses östlichste aller deutschen Orchester durch seine Tradition natürlich zu einem «echt» russischen. Fedoseyev dirigiert die «Vierte» nie klebrig, immer ohne falsches Pathos. Er will satten, direkten Klang, der aber auf faszinierende Art immer luftig gefedert erscheint. Fedoseyev lässt das Orchester auch im stärksten Forte quasi immer leicht schweben.
Reiche «Vierte»
Er ist da Magier und Praktiker zugleich. Einer, der zaubern kann und durchaus auch zelebriert, das aber klar anzeigt, der ohne Allüren stets bei seinen Musikern ist. Sympathisch! Die Dresdner danken ihm solche Haltung mit einem totalen instrumentalen Zusammenhalt. In Tschaikowskys autobiografischster Sinfonie kommen unter Vladimir Fedoseyev die Streicher wieder einmal erfreulich ausdrucksstark zur Geltung. Bloss vordergründige Emotion oder Melancholie lässt der Maestro zugunsten extrem durchsichtiger kompositorischer Details hinter sich. Frisch, klar und irgendwie viel reicher, als man sie ihm Ohr hat, kommt diese «Vierte» daher.
Unter dem Motto «Musik verbindet» ist die Dresdner Philharmonie im Rahmen des Kulturaustauschs «ZüriCH-Dresden» an fünf Orten in der Schweiz zu hören. In Giuseppe Verdis späten anspruchsvollen «Quattro pezzi sacri» bewies Fedoseyev seine Fähigkeit, Chor und Orchester speziell intensiv zu verzahnen.
Verlässlicher «Bergführer»
Der Berner Bach-Chor (Leitung: Theo Loosli) und Amarilis Bilbeny (Sopran) widmeten sich konzentriert dem nur noch selten Italianità verströmenden Werk. Die A-cappella-Teile sind auch für einen Spitzenchor wie diesen eine Herausforderung. Der Bach-Chor nahm sie an, auch wenn vielleicht die letzte entspannte Souveränität fehlte, die den Hörer vergessen macht, welche Hochseilakte da zu vollbringen sind. Auch bei Verdi ist Fedoseyev der Praktiker, der mit intensiver Geste die Reinheit der Spitzentöne zu garantieren scheint und bei den hohen vokalen und kantablen Anforderungen verlässlicher «Bergführer» ist. Herrlich die grandiosen Tutti-Effekte, herrlich des Russen Fähigkeit, auch hier das Pompöse stets zugunsten von Tiefgang, Deutlichkeit und eben wieder jener luftigen Abfederung in Ebenen feinst-ziselierter Emotion zu rücken.
20.11.2006 - St. Galler Tagblatt, Martin Preisser
Unangestrengt [nach oben]
Die Dresdner Philharmonie mit dem Berner Bach-Chor in der Tonhalle
Es geschieht nicht alle Tage, dass ein Schweizer Laienchor mit einem deutschen Spitzenorchester auf Tournee geht. Im Fall des Berner Bach-Chors und der Dresdner Philharmonie war es die im Zuge der 800-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt Dresden entstandene Stiftung Zürich - Dresden, welche die musikalische Kooperation vorantrieb. Mit Verdis «Quattro pezzi sacri» und Tschaikowskys vierter Sinfonie im Gepäck hat man in verschiedenen Schweizer Konzertsälen gastiert, so auch in der Zürcher Tonhalle
Die vier späten geistlichen Chorwerke Verdis waren sorgfältig einstudiert. Der von Theo Loosli vorbereitete Chor stiess in den heiklen A-cappella-Sätzen - zumal im einleitenden «Ave Maria» - zwar durchaus an gestalterische und stimmliche Grenzen, wusste im abschliessenden «Te Deum» aber eine beeindruckende Strahlkraft zu entwickeln, prächtig unterstützt von dem von Vladimir Fedoseyev mit Umsicht geleiteten Orchester. Dieses wusste in der f-Moll-Sinfonie Tschaikowskys dann sein ganzes Potenzial zu entfalten. Eine insgesamt sehr überzeugende und unangestrengte Aufführung des Werks, welche ihre Kraft mehrheitlich aus dem Lyrischen heraus entwickelte. Organisch die Spannungsbögen, die Fedoseyev aus dem zerklüfteten Kopfsatz zu fördern wusste, von betörender Sinnlichkeit das Andantino, zauberhaft die Pizzicati des Scherzos. Und das dramatische Finale hatte Saft und Kraft, und dies ohne jemals ins Lärmige zu kippen. Eine Meisterleistung.
20.11.2006 - Zürcher Zeitung, Ch. B.
Bern - Dresden retour [nach oben]
Der Berner Bach-Chor und die Dresdner Philharmonie sind mit einem wunderschönen Konzert auf Tournee. Premiere war in Bern.
«Musik verbindet. - Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.» Unter diesem Motto läuft gegenwärtig ein Kulturaustausch. Allerdings nicht zwischen China und Bolivien, sondern zwischen zwei Ländern mit ohnehin gemeinsamer Sprache: Die «Stiftung Austausch Zürich-Dresden» hat die Dresdner Philharmonie und den Berner Bach-Chor zusammengebracht und auf Tournee geschickt. Bern, Luzern, St.Gallen, Zürich, Basel. Die Premiere in Bern hat bewiesen: Die Grenze zwischen näselndem Sächsisch und urchigem Schwiizerdütsch lässt sich mit Musik wunderbar überwinden.
Farbiger Chorgesang
Im ersten Teil sind die vier «Pezzi sacri» vom Opernkomponisten Giuseppe Verdi zu hören: Geistliche Chormusik mit Orchesterbegleitung, mit deren Komposition der Kirchenhasser Verdi am Ende seines Lebens doch noch einen Fensterplatz im Himmel ergattern wollte. Der Bach-Chor - er steht immer noch unter der Leitung von Theo Loosli, der ihn 1967 gegründet hat - macht daraus ein klanglich packendes, prickelndes Erlebnis. Zum Glück im trockenen Casino und nicht im überakustischen Münster.
Im zweiten Teil spielt die Dresdner Philharmonie allein. Das Orchester blickt auf eine 450-jährige Tradition zurück. In seiner heutigen Form ist es aus dem 1885 gegründeten Gewerbehausorchester hervorgegangen (nicht zu verwechseln mit dem Gewandhausorchester aus Leipzig). Unter der Leitung von Vladimir Fedoseyev - der Russe ist unter anderem Erster Gastdirigent am Opernhaus Zürich - spielen die Dresdner Tschaikowskis Sinfonie Nr. 4.
Wuchtiger Orchesterklang
Die Macht der Musik und die Wucht der Interpretation ziehen das Publikum in Bann. Auch diesseits der Sprachgrenze. Die Dresdner Philharmonie spricht eine schwerere, gewichtigere Sprache als die hiesigen Orchester. Der letzte Ton hängt noch in der Luft, da rufts schon bravo, und die Füsse beginnen zu trampeln. Zu Recht: Schon allein die Pizzicato-Passagen im dritten Satz sind es wert, dass man sich um eine Karte bemüht.
16.11.2006 - Berner Zeitung BZ


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