«Jauchzet, frohlocket» als Programm
Für Bachs Weihnachtsoratorium scharte Altmeister Theo Loosli ein junges und motiviertes Team um sich.
Besser kann das Timing für Johann Sebastians Bachs Weihnachtsoratorium gar nicht sein: Am Freitag vor Heiligabend im Casino und am Stephanstag im Berner Münster bewegte sich der Berner Bach-Chor sozusagen im engeren Rahmen seiner Kernkompetenz. Zur Aufführung gelangten die Kantaten 1,2,4 und 6 des gleichzeitig wohl berühmtesten weihnächtlichen Vokalwerks überhaupt und auch des bekanntesten Bachs.
Die Chöre und Choräle geben dem rund neunzigköpfigen Chor beste Gelegenheit, seine Tugenden – mal innige Zurückhaltung, mal leuchtende Durchschlagskraft – zur Geltung zu bringen. Das „Jauchzet, frohlocket“, im Eingangschor wird so zum Programm. Theo Loosli brauche man nicht näher vorzustellen, steht im Programmheft. Das gilt auch hier. In der Abgeklärtheit eines Zen-Meisters beschränkt er sich auf eine minimale, oft beinahe spröde anmutende Zeichengebung. Und doch ist seine Hand spürbar, er ist mit „seinem“ Chor und dem Orchester eins geworden, da braucht es keine Showeffekte mehr.
Die Sinfonietta Bern ist nicht nur auffallend jung besetzt, es sind auch mehr Frauen als Männer am Werk. In den symphonischen Teilen wie im Continuo spielt sie klar, transparent und präzis. Anstelle vieler erwähnenswerter Sololeistungen seien der Trompeter Gérald Kottisch und natürlich die Organistin Marianne Beyeler-Hess hervorgehoben.
Andrea Suter (Sopran) und Silke Gäng (Alt) – waren unlängst in der französischen Kirche in Nino Rotas „Mysterium“ zu hören – intonierten klangschön und hell.
Handschrift der grossen Lehrer
Eine der originellsten Stellen im Meisterwerk des Thomaskantors ist die Sopran-Arie in der vierten Kantate, wo der Alt zum Echosopran wird und sich die beiden Stimmen ideal ergänzen. Naturgemäss die grösste Partie hat der Tenor, der als Evangelist die Rezitative und auch darüber hinaus eine beachtliche Partie singt. Christophe Einhorn macht das mit teils etwas eigenwilliger Diktion, aber stil- und höhensicher. Er agiert in den Rezitativen ganz anders als in den Arien, als stünden ihm in Gesang und Gestus gewissermassen zwei Gestalten zu Gebote. Die Handschrift seiner grossen Lehrer Gedda und Häfliger ist nicht zu verkennen. Noch sehr jugendlich wirkt der Bass Manuel Walser, was seiner Leistung indes keinen Abbruch tut. Einzig den bösen Herodes kauft man seiner sympathischen Erscheinung natürlich nicht ab.
Dirigent und Chor haben bewiesen, dass Ausflüge in andere Gefilde ihnen auf dem ureigenen Tummelfeld der Vokalwerke Bachs in keiner Weise geschadet haben: Sie haben das, was ihre Arbeit seit 40 Jahren prägt, nach wie vor bestens im Griff. Da dies auch für Orchester und Vokalsolisten gilt, wurde das Konzert für das Casinopublikum zu einem stimmigen Auftakt für das Weihnachtsfest, und für jene im Münster wohl zu dessen krönendem Abschluss.
27.12.2011 - Der Bund, Peter König
Melodien zu Tod Christi
In der Stadtkirche sangen der Berner Bach-Chor unter der Leitung von Theo Loosli und die beiden Solistinnen Hélène Le Corre (Sopran) und Élodie Méchain (Alt) Kompositionen von Bach über den Tod und das Leiden Christi . Unterstützt wurden sie vom Chamber Ensemble des BSO.
Im Rahmen der Thuner Bachwochen gastierte der Berner Bach-Chor (BBC), geleitet von Theo Loosli, in der Stadtkirche Thun. Auf dem Programm standen mit einer Kantate, einer Mottete und einem Psalm, drei Werke von Johann Sebastian Bach, die Leiden und Tod Christi thematisieren. Berührend und zugleich voller Wärme eröffneten das Orchester mit Konzertmeister Alexis Vincent und der Chor mit der Kantate BWV 4 «Christ lag in Todes Banden» das hochstehende Konzert. In wunderschöner Transparenz legte sich der Klangteppich über das Publikum in der ausgebuchten Stadtkirche. Für Glanzlichter sorgten die beiden Solistinnen Hélène Le Corre, Sopran, und Élodie Méchain, Alt. Subtil bereicherten sie solistisch, aber auch im Duett, die ergreifenden Sätze, die alle mit einem voluminösen «Halleluja» abgeschlossen wurden.
Gesang voller Zuversicht
Der Höhepunkt der vielschichtigen Darbietungen war die Mottete «Komm, Jesu, komm». Bei dies em für achtstimmigen Doppelchor geschriebenen Werk übernahm die Vizedirigentin des BBC, Manuela Roth, die Leitung. Gestützt von Peter Hauser am Cello, Manuel Kuhn, Kontrabass, und Matteo Pastorello, Truhenorgel, brillierten die Sängerinnen und Sänger mit einfühlsamem Volumen und obenaus schwingenden Sopranstimmen. Die aufschäumenden Melodien wurden zum Schluss zurückgenommen und klangen äusserst filigran in melodiösem Gebet aus.
Als krönender Abschluss kam der Psalm 51 BWV 1083 «Tilge, Höchster, meine Sünden» zur Aufführung. Das Werk ist von Bach nach dem Stabat Mater von Pergolesi für Sopran, Alt und Frauenchor arrangiert und gilt als Rarität. Abstrakte Geigeneinlagen im Wechsel mit warmen Cellomelodien brachten Bitten und Flehen um Vergebung zum Ausdruck. In Verbindung mit Gesang endeten die zum Teil tänzerischen Melodien in hoffnungsvoller Zuversicht.
30.08.2011 - Thuner Tagblatt, vvg
Wenn Gottes Stimme erklingt
Mittendrin und voll dabei: Der Bach-Chor hat zusammen mit der Sinfonietta Bern im Kultur-Casino Mendelssohns Oratorium «Paulus» aufgeführt.
Bereits am Ende der Ouvertüre zu Mendelssohns Oratorium wähnt man sich mitten im Geschehen. Die Sinfonietta Bern (Konzertmeisterin: Sibylla Leuenberger) entpuppt ich in der Folge als geschmeidige Begleiterin des Chors und setzt immer wieder eigene Akzente. Besonders schön die Flöten in lichter Höhe, als Gottes Stimme erstmals erklingt; oder die weichen Cellolinien, die der eindringlich gesungenen Tenorkavatine «Sei getreu bis in den Tod» unterlegt sind.
Tonale Reinheit
Die Sängerinnen und Sänger selbst legen eine beeindruckende Präsenz und Genauigkeit an den Tag. Einzelne undeutlich artikulierte Stellen tun dieser Leistung keinen Abbruch.
Selbst komplexe Fugen und heikle sopranistische Höhen werden souverän und mit beachtlicher tonaler Reinheit gemeistert. Das dynamische Spektrum reicht vom gehauchten Pianissimo einzelner Register bis zu gewaltigem Vollklang. Speziell die tröstlichen Worte «Der Herr wird die Tränen abwischen» kommen in einer enormen Bandbreite an Schattierungen daher. Auch die mittleren Stimmen verschaffen sich problemlos Geltung, wodurch das gesamte Ensemble als kräftige wie differenziert agierende Einheit begeistert.
Dagegen vermögen nicht alle Soli restlos zu überzeugen. Zwar durchdringen die Sopranistin Elisabeth Meyer und Michael Novaks Tenor das musikalische Geflecht jederzeit, doch geht Meyers Tremolo bisweilen auf Kosten der Intonation, und einige laute Töne Novaks geraten schrill.
Die leiseren Sopran- und Tenorpartien berühren dafür umso mehr. Dies gilt auch für Silke Gäng, deren Mezzosopran sich Alt- und Sopraneinlagen gleichsam anzupassen weiss.
Präzise Bewegungen
Die gestalterisch eindrücklichsten Passagen gehen aufs Konto von Rudolf Rosen. Dass sein Bass-Bariton, wie vor dem Konzert angekündigt, leicht angeschlagen ist, hindert den Berner nicht daran, seine Arien «Gott, sei mir gnädig» und «Wisset ihr nicht» leidenschaftlich und mit hoher Musikalität vorzutragen, wobei das zart flehende Gebet ebenso authentisch wirkt wie der missionarische Eifer.
Ein grosses Lob schliesslich an Theo Loosli, der den Bach-Chor seit 45 Jahren dirigiert und die insgesamt gelungene Aufführung mit präzisen und scheinbar zurückhaltenden Bewegungen feinfühlig leitet.
04.04.2011 - Der Bund, Stefan Bucher


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